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Dampfen ist eine Ausstiegsdroge

Das vehemente Verfechten des Dampfens, die schnelle Szeneschließung und der stetige Wachstum derselben baut auf zahlreiche Fälle persönlicher Erfahrung. Die Erfahrung ist, dass man sich den Fesseln des Tabakrauchens befreit hat und die Sinnesbetäubung dem Gestern angehört. Der neugewonnene Lebensmut wird lautstark in vielen Farben und Formen zelebriert.

Es sind Geschichten, die wenig Erzählung finden. Der Umschwung vom tristen Dasein als Raucher zum wiederbelebten Dampfer erfolgt in unahnbarer Kürze. Die neue Lebensfreude ist nicht mit vergangenem Leid vereinbar. Wer aus dem Kerker ausgebrochen ist, wird kaum zurückblicken. Viel eher bejaht man das Leben und schöpft aus den Kräften, die so lange betäubt waren. All das zeigt sich in bunten Bildern, sich darstellenden Fotos und Videos und nicht zuletzt im Zusammenschluss einzelner Individuen zu einer Gemeinschaft.

Aus Einem wird die Welt

Findet man im Gegenüber einen Dampfer, erkennt man sich selbst. Einen, der sich nicht mehr selbst peinigt, sondern sich jetzt auch zeigen will. Einen, der sich der Geißelung der Zigarette entzogen hat.
Man sieht einen Gleichgesinnten, kann nachvollziehen, hat das selbe durchgemacht - und überkommen. So leicht scheint es noch nie gewesen zu sein, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Der Weg zum Gegenüber ist ebenfalls kürzer gewesen. Jeder weiss, was Sache ist. Du hast geraucht, ich habe geraucht und jetzt sind wir davon befreit und greifen zur besseren Alternative. Wir können ehrlich zu uns sein. Diese bodenständige Haltung erlaubt zum Einen Begegnungen ohne Fassaden und zum anderen eine zwanglose Community aufzubauen. Eine Gemeinschaft, in der nicht mit Ellbogen gekämpft wird, sondern nebeneinander gelebt wird. Jeder darf hier.

Eine Generation der Verblendung?

Auch sie, auch er ist davon losgekommen. Keine Zigaretten mehr. Nie wieder. Auch er nimmt seine Umwelt jetzt anders wahr. Kann wieder schmecken. Wieder riechen. Bekommt wieder Luft. Doch allem körperlichen Vorteil steht eine weitere Komponente zur Seite. Die Lücke im Leben, die das Rauchen gefüllt hat.
Nicht selten tränken wir uns mit Süchten, wenn im Leben etwas fehlt. Erfährt man positives durch den Konsum einer Droge, können die Nebenwirkungen noch so um sich schlagen; man bleibt ihr treu. Man vergisst die zugrundeliegenden Bedürfnisse, die zur Sucht führen. Man vergisst was man eigentlich braucht. Die E-Zigarette löst diese Sucht nicht, verlagert sie jedoch. Zum Guten?

Weniger als halb so schlimm

Nikotin fördert keinen Rausch, sondern einen Stimulus. Mit dem Rauchen gingen diesem Stimulus zahlreichen Nebenwirkungen einher. Beim Dampfen ist davon nichts zu spüren. Der größte Teil der Dampfer hat keine Nebenwirkungen dadurch erfahren, dass zur E-Zigarette gegriffen wird. Viel eher hört man von Seiten derer, die mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben, das sie verzweifelt sind und nicht wieder zur Zigarette greifen wollen.
Zwar darf nicht verkannt werden, dass die Abhängigkeit zum Nikotin weiterhin besteht, aber nicht mehr in Schwarz gekleidet mit der Sichel winkt. Versteht man Nikotin also nicht mehr als Droge, sondern als Stimulanz, ergibt sich die Szene, wie sie sich darstellt. Anstatt der typischen bebilderten Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, begrüßen uns auf den etikettierten Fläschchen bunte Einhörner, grelle Farben und ein Schuss Wahnsinn.

Eine große Party

Aufgrund des mitschwingenden Subtextes ist es gar nicht möglich an findige Geschäftsmänner zu denken, die im Hintergrund die Fäden ziehen und die Süchtigen abzocken. Es findet auch kein Glaubenskampf unter den einzelnen Herstellern von Liquid statt. Alle haben ihre Daseinsberechtigung, weil alle mit wenigen Mitteln viel schaffen. Es sind Ideen, die auf Nichts beruhen, als Propylenglykol, Glycerin und ein wenig Aroma. Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind ein gefundenes Fressen für viele Dampfer. Man erwischt sich dabei, wie man auf die Werbungeingeht, wie ein kleines Kind auf ein neues Toys 'R Us Prospekt. Man ist wieder empfänglich für Fantastisches.

Dampfen ist eine Ausstiegsdroge

Man sollte diesen Text als beschreibend verstehen. Es ist eben so gekommen. Es war nicht so geplant, dass es so kommt. Ich habe beim besten Willen versucht das zusammenzufassen, was ich sehe. Und eben nicht versucht irgendwem gerecht zu werden. Sieht man das was hier steht, ist es unmöglich, dass irgendjemand das Fortschreiten des Trends, den die E-Zigarette eingeschlagen hat, aufzuhalten.

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